Ich bin Simon Stumpf und ich führe unser Weingut in Fahr am Main mit großer Leidenschaft und tiefem Respekt für die Natur. Mein Weg zum Wein war nicht gradlinig. Bevor ich Winzer wurde, arbeitete ich bei der Telekom. Ein sicherer Bürojob, klare Abläufe, Routine. Doch jedes Mal wenn ich nach Feierabend in unsere Weinberge ging, merkte ich, dass mich die Arbeit draußen viel stärker berührt. Die Natur hat mich immer angezogen und irgendwann wusste ich, dass mein Platz nicht im Büro, sondern zwischen den Reben liegt.
Ich bin hier in Fahr am Main aufgewachsen. Meine Kindheit spielte sich oft im Freien ab, am Mainufer und in den Weinbergen. Mein Vater Erhard hat den Weinbau wieder zurück ins Dorf gebracht. Fahr war damals eher für Obst und Spargel bekannt, aber er hat mit viel Geduld und konsequenter Handarbeit das aufgebaut, was heute unser Weingut ist. Ich habe ihm von klein auf geholfen und vieles gelernt, ohne es damals bewusst wahrzunehmen. Dass ich irgendwann einmal in seine Fußstapfen treten würde, war für mich lange nicht selbstverständlich, aber es wurde mit den Jahren immer klarer.
Als ich den Entschluss fasste Winzer zu werden, begann ich eine Abendausbildung und lernte den Rest direkt von meinem Vater. Er war ein Winzer alter Schule, sehr bodenständig und immer im Weinberg. Von ihm habe ich gelernt wie wichtig es ist, seine Reben zu kennen und zu beobachten. Man muss sehen, wann eine Pflanze Unterstützung braucht und wann man besser nichts tut. Er hat mir beigebracht, dass guter Wein nicht im Keller entsteht, sondern draußen in der Natur.
Mit den Jahren hat sich im Weinbau viel verändert. Als mein Vater begann, konnte man praktisch alles verkaufen was man erzeugte. Heute erwarten die Menschen Charakter, Herkunft und Persönlichkeit im Glas. Diese Entwicklung hat mich geprägt und motiviert. Ich wollte keine Weine machen, die einfach nur funktionieren. Ich wollte Weine erzeugen, die zeigen wo sie herkommen und die man gerne trinkt, ohne dass sie am nächsten Tag belasten. Qualität beginnt für mich im Weinberg und sie endet nicht beim Geschmack, sondern auch beim Wohlbefinden.
Einige Weine verbinde ich bis heute sehr stark mit meinem Vater. Vor allem die alten Auslesen aus Silvaner oder Bacchus. Ich sehe ihn noch sitzen mit einem Glas goldgelben Weins in der Hand und einem zufriedenen Lächeln. Diese Momente begleiten mich bis heute. Sie sind ein Teil dessen was mich antreibt.
Viele Menschen hier kennen mich schon lange. Früher war es normal, dass Kunden einfach spontan vorbeikamen und wir ins Gespräch kamen. Das war fast wie eine große Familie. Heute ist alles sachlicher und digitaler geworden, aber mir ist der persönliche Kontakt noch immer wichtig. Unsere Weine sollen ehrlich sein, ökologisch produziert und authentisch fränkisch. Ich möchte, dass man sie gut verträgt und dass sie zeigen wie unsere Region schmeckt.
Fahr am Main ist für mich ein besonderer Ort. Die Weinberge sind mein zweites Zuhause. Wenn ich oben am Waldrand stehe und auf die Reben und den Main blicke, weiß ich warum ich diesen Beruf gewählt habe. Im Frühling, wenn die Reben austreiben, spüre ich jedes Jahr neu den Aufbruch. Im Herbst, wenn die Farben warm und die Luft klar wird, erlebe ich die Ernte als einen Höhepunkt voller Dankbarkeit.
Heute führe ich unser Weingut in der zweiten Generation weiter. Was mein Vater aufgebaut hat, ist mein Fundament. Was ich daraus mache, soll die Zukunft tragen. Ich verbinde Tradition mit moderner Verantwortung und arbeite jeden Tag daran Weine zu erzeugen, die leise und klar sprechen. Sie sollen nicht laut sein, sondern ehrlich und charaktervoll. Ein Wein von mir erzählt immer auch ein Stück meiner Geschichte und ein Stück der Landschaft aus der er stammt.